mutausbruch #7: Über’s alleine sein.

 

Heute gibt es wieder Gedankensalate zu einem Thema dass uns alle irgendwie betrifft.
Erst vor kurzem hat meine liebe Stephi das Thema angesprochen – und zwar geht es um’s alleine sein. Sie hat zwar nur über das alleine essen in einem Restaurant gesprochen aber ich hab dann mal ein bisschen weitergedacht und hab generell über das alleine sein nachgedacht.

Stephi meinte, dass sie es komisch findet alleine in einem Restaurant zu essen, aber nur weil sie das Gefühl hat, jeder würde sie anstarren, weil sie alleine am Tisch sitzt und isst.
Ich kann das sehr gut nachvollziehen, da ich auch immer das Gefühl habe, als würden alle blöd starren (naja, eigentlich esse ich ganz selten wo alleine) und eigentlich ist es ja auch kompletter Blödsinn, denn so wie ich das mitbekomme, interessiert es die Leute sowieso nicht, ob du jetzt alleine oder mit Freunden dasitzt.

Ich habe das Gefühl, dass das in unseren Köpfen so festsitzt, dass das sozial einfach komisch ist, alleine da zu sitzen und zu essen. Aber jetzt gehen wir mal weg vom essen, um das soll es hier primär gar nicht gehen.

Ich war nie so gerne alleine, um ehrlich zu sein konnte ich auch gar nicht alleine sein. Ich war oft in einer Beziehung, wohnte zuhause und war wirklich fast nie alleine. Und wenn dann nur für ein paar Stunden. Ich wollte immer Leute um mich haben, dass ich nicht das Gefühl hatte, alleine zu sein. Ich musste ständig etwas unternehmen und mit Leuten beisammen sein. Da ich, wie erwähnt damals in einer Beziehung war, war ich in einer anderen Weise auch gar nicht „alleine“. (Das finde ich sowieso blöd, jemanden als alleine zu bezeichnen, nur weil er Single ist – obwohl ich das hin und wieder auch mache haha).
Jedenfalls war ich es, wie ihr euch jetzt wahrscheinlich vorstellen könnt, auch gar nicht gewohnt, alleine zu sein. Ich hasste es auch, alleine zu schlafen, was ich ja Gott sei dank auch selten musste.

Im Oktober 2015 veränderte sich dann einiges. Ich zog nicht nur aus und nach Wien, ich wurde auch irgendwie in’s kalte Wasser geschmissen. Meine Beziehung war vorbei und ich war alleine. Naja so ganz alleine war ich nicht, immerhin hatte ich ja alle meine Freunde und vor allem meine besten Freundinnen, mit denen ich in Wien in eine Wohnung zog – aber es fühlte sich trotzdem sehr alleine an.
Vor allem wenn man länger in einer Beziehung war und es gewohnt war, immer jemanden an seiner Seite zu haben, nie alleine zu schlafen, immer zu zweit zu essen und gemeinsam wohin zu gehen oder fahren.
Ich war es nicht gewöhnt so alleine zu sein. Diese Zeit war ganz ganz schwer für mich. Die ersten Nächte schlief ich sogar immer bei meiner Mitbewohnerin, einfach weil ich nicht anders konnte. Das waren die einzigen Stunden in denen ich Schlaf fand. Untertags versuchte ich, so viel mit Freunden zu machen, wie es nur ging. Mein Kalender war voll und ich kam nie zur Ruhe, nur um nicht dran denken zu müssen, dass keiner auf mich wartet zuhause oder dass keiner vorbeikam und mit mir einschläft.

 

 

Damals überlegte ich mir, eine Liste anzufangen, mit Dingen, die ich alle alleine machte, jedes „erste Mal“ ohne ihn. Damit meine ich zum Beispiel „das erste Mal Winterjacken shoppen“, „das erste Mal auf ein Konzert gehen“, „das erste Mal Pizza essen“, „das erste Mal auf Urlaub fahren“,… und so weiter.
Immer wenn ich etwas machte, hatte ich meine imaginäre Liste im Kopf, wo jedes Mal ein weiterer Punkt ergänzt wurde, wenn es so weit war. Ich fand fast jeden Tag etwas und es hat mir irgendwie sehr geholfen, da ich immer mehr machte und bei einigen Dingen dann auch schon das „zweite Mal“ abhaken konnte.

Irgendwann war es dann so weit und ich konnte keinen Punkt mehr ergänzen, weil ich schon alles alleine gemacht habe. Es hat zwar von Oktober bis ungefähr März gedauert aber diese Zeit war unglaublich wichtig für mich. Ich fing schön langsam an, das alleine sein zu genießen. Viele von euch werden sich jetzt bestimmt denken dass sie es lieben, Zeit für sich zu haben. Na klar, ich hatte auch gerne Zeit für mich alleine aber mir reichten fünf Stunden und dann brauchte ich wieder Gesellschaft.

Ich habe mich in den letzten zwei Jahren, meiner Meinung nach, unglaublich verändert. Ich machte plötzlich so viele Sachen alleine. Ich war motiviert und ambitioniert und kämpfte für mein eigenes Glück – alleine.
Ich erreichte Sachen auf die man stolz sein kann. Ich war alleine in London und machte dort ein Praktikum, ich war Youtuberin für das Miss Magazin Österreich, ich fotografierte zwei Reisebücher und das alles erarbeitete ich mir selber. Ich brauchte keine andere Person um glücklich zu sein, ich nahm mein eigenes Glück in die Hand und war so glücklich wie noch nie. Wenn man selber etwas erreicht, ohne jemand zweiten, ist das ein unglaubliches Gefühl. Wenn man plötzlich alles alleine hinbekommt und stolz auf sich sein kann, dann ist das das Beste was einem passieren kann, meiner Meinung nach.

Ich habe keine Probleme oder Hemmungen mehr, alleine zu sein. Ich liebe es, alleine zu schlafen, da ich sowieso den ganzen Platz für mich selber brauche, ich habe kein Problem damit, Abende alleine zu verbringen, da mir sowieso so viele Sachen einfallen, die ich noch erledigen will oder Serien schauen möchte.
Versteht mich nicht falsch – ich vereinsame nicht, ich verbringe ja trotzdem sehr viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden aber ich bin wie gesagt auch gerne alleine. Und ganz ehrlich, auf so etwas kann man schon stolz sein, denn damals konnte ich das nicht mal ansatzweise und ich habe meiner Meinung nach sehr viel erreicht. Alleine.

Klar, die Zeit davor war alles andere als leicht und ich kann erst jetzt, fast zwei Jahre danach, darüber wirklich reden und schreiben. Jetzt sehe ich einfach alles klarer, ich bin reflektierter und ja fast eine neue Antonia. In dieser Hinsicht zumindest.

Was ich euch damit sagen möchte ist, es ist okay wenn man sich verloren fühlt. Es ist okay wenn man sich einsam und alleine fühlt. Es ist nur nicht okay, wenn man das zum Dauerzustand werden lässt.
Manchmal muss man einfach in’s kalte Wasser geschmissen werden, um zu merken dass man alleine sein kann. Du verbringst dein ganzes Leben mit dir selber. Leute kommen und gehen. Wenn du nicht alleine sein kannst, dann wirst du nie ganz glücklich sein.
Na klar braucht man auch andere Leute, sonst wird „alleine sein“ zu „einsam sein“ aber manchmal muss man einfach nur für sich sein, sich Gedanken über alles Mögliche machen, sich selbst reflektiert betrachten, Ruhe finden und neue Energie tanken.

As selfish as it sounded, she had to focus on herself. She kept trying to find happiness in other people, but realized it had to come from within her. Everyone wasn’t meant to understand her solitude and some felt slighted by her focus. Then again, misery loved company and she learned to love being alone.

 

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3 Comments

  1. Antworten

    Hanna

    August 24, 2017

    Dieser Eintrag spricht mir so sehr aus der Seele, es ist verrückt! Ich habe eine ähnliche Entwicklung durchgemacht wie du, konnte vorher nicht alleine sein, geschweige denn es mir vorstellen und habe mich von Beziehung zu Beziehung gehangelt. Dann bin ich für ein Jahr ins Ausland gegangen. Etwas, was ich nur für mich gemacht habe und ich muss sagen es geht mir so gut wie nie. Es ist einfach so wichtig, dass man lernt sich selbst zu schätzen und auch, dass man ein Ganzes ist ohne eine Beziehung. Danke für diesen tollen Blogeintrag! ☺️
    Liebe Grüße
    Hanna

    • Antworten

      Antonia

      August 24, 2017

      Ohja da hast du recht! Danke für dein liebes Kommentar. <3 <3 <3

  2. Antworten

    fillequebecoise

    August 28, 2017

    Liebe Antonia,
    du hast mich mit diesem Thema und deinen Worten wieder tief im Inneren getroffen/berührt.
    Ich hatte kurz Tränen in den Augen, als es um die Liste der „ersten Mal alleine ohne ihn“ ging. Ich hatte eigentlich nie wirklich Probleme immer mal wieder alleine zu sein, und habe auch häufig genug alleine geschlafen. Aber es gibt so viele andere Punkte (wie z.b. Winterjacke kaufen, Konzerte etc) was man nicht so häufig macht, und wo dann zwangsläufig ganz klar auffällt, dass man es vorher nicht alleine gemacht hat 🙁
    Ich denke ich sollte versuchen, auch so eine Liste zu führen.. einige „erste Male“ werde ich wohl noch vor mir haben, da meine Trennung erst 2 Monate her ist.

    Ich bin deiner Meinung, dass es auch unabhängig vom Beziehungsstatus durchaus wichtig ist, alleine sein zu können 🙂 und besonders, auch zu wissen was man alleine alles schaffen kann. An dem Punkt, Hut ab, vor dem was du schon geschafft hast!
    Denn aktuell sehe ich zweiteres als schwieriger zu erreichen an..
    Daher, danke für diesen Gedankenanstoß! Und auch dass du deine eigene Geschichte zu dem Thema mit uns geteilt hast. Mir zumindest hat es Mut gegeben <3

    Ganz liebe Grüße, Silke 🙂

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