Muss es mir schlecht gehen, um kreativ zu sein?

Man sagt ja, dass Künstler ihre schönsten Kunstwerke gemalt haben, als sie in einer schlechten Phase steckten, als es ihnen nicht gut ging. Ich glaube wirklich, dass da etwas dran ist. Ich habe in letzter Zeit so so oft darüber nachgedacht und ich erzähle euch jetzt meine Geschichte.

Ich habe meinen Blog 2016 gestartet. In der Zeit hab ich sehr viele Lifestyle Themen behandelt und wollte „normale“ Beiträge verfassen (Tipps & Tricks, Geschenkideen, usw..). Als dann das Jahr 2017 in den Startlöchern stand, änderte sich plötzlich alles. Mein Content wurde tiefgründig und ich machte mir über alles und jeden Gedanken. Ich habe sehr, sehr viel geschrieben und habe sehr persönliche Themen aufgegriffen und gleichzeitig habe ich auch auf Instagram „deepen“ Content gepostet. Schöne Fotos mit tiefgründigen Sprüchen darunter. Das ging das ganze Jahr lang so, bis Ende des Jahres.
Ich glaube dass sehr viele Menschen genau diesen Content mit „Mutausbrüche“ verbinden und ich tue das eigentlich auch noch, obwohl sich alles geändert hat.

Warum so viel tiefgründiger, persönlicher Content?
Weil es mir schlecht ging. 2017 war ein Jahr in dem ich sehr, sehr viel gelernt habe. Ich hatte ein paar wirklich schwere Tiefpunkte, war zwei Mal im Krankenhaus, musste meine große Costa Rica Reise absagen und irgendwie jagte ein Unglück das Andere. In dieser Zeit habe ich dann eben meine Gedanken mit euch geteilt, egal um was es ging. Ich habe euch oft erzählt, dass es mir schlecht geht, habe Freundschaftsthemen behandelt, manchmal auch missglückte Lovestories oder meine Krankheitsgeschichte. Mein Blog und mein Instagram hatten eine gewisse melancholische Grundstimmung und da ich dadurch einfach unglaublich kreativ wurde, was Wörter und Sätze und Fotos und generell Content betrifft, habe ich dadurch viele Menschen inspiriert.
Ich habe mir kein Blatt vor den Mund genommen und Themen angesprochen, die viele vielleicht nicht ansprechen würden aber es war mir wichtig, diese Dinge mit euch zu teilen, da es mir dadurch gleich besser ging. Mich haben unzählige, super nette Nachrichten erreicht, die mich alle bestärkt haben in dem was ich tue und so ging es das ganze Jahr lang.

Ich finde selber, dass ich äußerst kreativ war aber trotzdem war alles von einer traurigen Grundstimmung geprägt.
Als dann im Dezember 2017, also vor einem Jahr plötzlich alles bergauf ging (ich habe einerseits an mir gearbeitet und mich selber aufgebaut und andererseits kann man nicht abstreiten, dass Peter auch „Schuld“ daran hatte), hat sich mein Content wieder stark verändert.
Ich würde sogar sagen, dass ich für eine kurze Zeit echt unkreativ war. Wieso? Weil ich verdammt glücklich, nicht nur mehr mit mir selbst beschäftigt und einfach anders war.
Plötzlich hat es sich falsch angefühlt, tiefgründige, traurige Sprüche über das Leben und die Liebe zu posten. Es war irgendwie komisch, deepe Fotos zu schießen und meine geheimsten Gedanken zu teilen.
Mir war irgendwie die Inspiration ausgegangen, denn wer schreibt schon schwere Zeilen, wenn das Herz plötzlich leicht ist?

2018 hat sich irgendwie alles verändert. Ich bin erwachsen geworden. Und mein Blog ist mit mir gewachsen. Ich habe Themen mit Mehrwert aufgegriffen, habe inszenierte Fotos gepostet und aus Mutausbrüche, dem melancholischen Platz im Internet, wurde eine erwachsene Plattform, mit der man plötzlich mehr Leute erreicht und die unternehmerische Züge annimmt. Dennoch finde ich, dass ich das Kreative nicht verloren habe, es hat sich auch einfach verändert.

Oft denke ich, dass ich keinen tollen Content mehr, so wie früher für euch habe. Einfach, weil es mir gut geht. Natürlich habe ich auch Zeiten, an denen die Achterbahn eine Strecke am Boden zurücklegt aber insgesamt sehe ich Dinge irgendwie erwachsener eben und die traurige Grundstimmung ist fort.
Menschen, die schon seit 2017 dabei sind vermissen diese alte Seite aber ich kann einfach nicht auf Knopfdruck tiefe Zeilen schreiben. Denn wenn ich das versuche, kommt es nicht aus tiefstem Herzen, sondern aus meinem Kopf, der Wörter und Sätze erzwingen muss.
Wer weiß, vielleicht kommt diese alte Zeit wieder zurück aber ich muss ehrlich sagen: ich bin froh, dass es gerade nicht mehr so ist, denn auch wenn ich kreativer war als jetzt: es ging mir echt schlecht.

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