mutausbruch #9: alles ist gut.

 

 

Ich bin mehr als mein Spiegelbild.

Mehr als mein Name. Mehr als meine Noten.

Ich bin mehr als mein Alter und mehr als mein Wohnort.

Mehr als meine Größe. Mehr als meine Haarfarbe.

Ich bin mehr als meine Entscheidungen und mehr als meine Fehler.

Ich bin die grauen Tage, an denen mir nichts passt und an denen mir einfach nur zu heulen zumute ist. Ich bin der Grund, warum es mir beschissen geht und all die Gedanken die damit zu tun haben.




Ich bin meine Narbe am rechten Unterbauch, die ab-und-zu-Schmerzen in meinen Gelenken, die zickige Haut in meinem Gesicht, die schlecht-sehenden Augen, meine Dementor-artigen Gedanken und die Selbstzweifel die damit einhergehen. Ich bin mein nicht vorhandener Hintern, meine lästigen Haare die ich jeden Tag waschen muss und meine trockenen Hände, die ich nicht eincremen will weil ich einfach viel zu faul dafür bin.

Ich bin meine oft ungezupften Augenbrauen und meine großen Füße.
Ich bin die liebesbedürftigen Worte, die Umarmungen, die ich zu oft brauche und die Zukunftsängste die mich manchmal überkommen. Ich bin meine trödelnde Art, die chaotische Seite an mir und die miesen Witze, die nicht mal mein kleiner Bruder lustig findet.
Ich bin all die schlecht-machenden Aussagen über mich selber und die Tränen die danach kommen.

Aber ich bin noch viel mehr als das.

Ich bin all die durchtanzten Nächte mit den besten Freundinnen und all die verschwommenen Erinnerungen daran.
Ich bin der Kater der mich am nächsten Tag an’s Bett fesselt und mich drei Mal auf die Toilette schickt.

Ich bin der dritte Kaffee am Tag den ich brauche um zu überleben, die Kontaktlinsen die im Waschbecken kleben bleiben, die Teller die es nicht in den Geschirrspüler schaffen.
Ich bin meine Frisur, die nach dem aufwachen wie ein Vogelnest aussieht, all die Hunde denen ich verliebt nachschaue und bin der Wecker, der immer zu einer ungeraden Uhrzeit gestellt werden muss.

Ich bin die verknoteten Kopfhörer die auf dem Weg zur Straßenbahn entwirrt werden, bin die dreckigen Stiefel die aus Faulheit nicht geputzt werden. Ich bin die Karte für’s Fitnessstudio, die mehr als Sponsoring gesehen wird, bin der Hummus der nicht mal zwei Tage im Kühlschrank überlebt.
Ich bin die zweideutigen Witze die meine Freundinnen jedes Mal zum lachen bringen, bin mein Reisepass der leider viel zu selten ein Flugzeug sieht. Ich bin meine ziemlich gerade Nase und meine Lippen, die am liebsten meinen Freund küssen.

 

 

Ich bin meine Gedanken, die noch schöner werden wenn man sie auf Papier bringt, die hundert Playlists an denen zweihundert Erinnerungen hängen und die Outfits, die gerne oft her geborgt werden.

Ich bin all die good vibes die meine Freunde brauchen, bin die helfende Hand um jemanden hochzuziehen und bin mein kreativer Kopf hinter meinen vielen Ideen und Einfällen.




Ich bin meine langen Beine für die ich oft Komplimente bekomme und die grünen Augen mit denen ich am liebsten Menschen sehe die ich liebe.

Ich bin meine Kamera die es liebt, alles und jeden zu fotografieren und ich bin die Motivation, die in letzter Zeit immer gerne vorbeischaut.

Ich bin der Juni, weil es mein Geburtsmonat ist und ich Geburtstage liebe und ich bin der Herbst, weil er meine Lieblingsjahreszeit ist.

Ich bin all die Menschen mit dem schönen Leben das ich nie haben werde.

Weil ich es nicht brauche.

Weil mein Leben mindestens genau so schön ist.
Und weil ich mindestens genau so schön bin.
Und weil das gut ist.

Alles ist gut.

______

Ein etwas anderer Blogpost. Ich dachte, ich probiere mal ein bisschen ein anderes Format. Es war gut, alle meine Gedanken aufzuschreiben und das ist dabei rausgekommen 🙂
Wer kennt es nicht? Selbstzweifel. Immer und immer wieder.

Ich habe das Gefühl dass es langsam zu viel wird damit. Deswegen haben Peter und ich gestern Fotos gemacht, die ich so nie machen würde. Ich finde meinen Bauch zu dick und meine Haut zu schlimm. Ich finde meine Arme zu unförmig und meine Busen zu klein. Eigentlich.

Aber nachdem ich die Fotos gesehen habe, war ich glücklich. Es ist das erste Mal dass ich mich wirklich schön finde. Klar gehen die Zweifel nicht von einem auf den anderen Tag weg aber das ist ein Anfang.
Ich habe mir jetzt jedenfalls vorgenommen, mir mehr positive Dinge einzureden. Mich selber schlecht zu machen bringt keinem was – und mir am wenigsten.
Auch wenn ich oft das Gefühl habe, schlechter zu sein als alle anderen und chaotischer und dümmer und naiver – im Grunde ist das Blödsinn.

Jeder hat Selbstzweifel und ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen. Aber wenn ich das schaffe, dann könnt ihr das auch.

Alles ist gut.

Antonia

 

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7 Comments

  1. Antworten

    Fiona

    Januar 7, 2018

    Wow Antonia, was für ein wunderschöner Beitrag 🙂 Und so viele hübsche Fotos dazu <3 Danke, dass du deine Gedanken teilst, denn sie klingen ganz wunderbar 🙂

    • Antworten

      Antonia

      Januar 8, 2018

      Danke liebe Fiona, so so lieb von dir! 🙂

  2. Antworten

    Magdi

    Januar 7, 2018

    Wow Antonia… wirklich super geschrieben!! Weiter so! Und die Fotos sind echt extrem toll geworden 💕
    Alles Liebe
    Magdi

    • Antworten

      Antonia

      Januar 8, 2018

      Liebe Magdi, vielen dank für das liebe Kommentar, hab eine schöne Woche <3 🙂

  3. Antworten

    Nicky

    Januar 7, 2018

    Wow, liebe Antonia du sprichst mir aus der Seele und ganz vielen Anderen bestimmt auch.
    Du bist eine wunderschöne Frau und du schreibst inspirierende Worte.
    Ich weiß von Anderen hört man oft nette Worte, aber man hört sie nur und glaubt sie selten, das ist aber auch egal, den man muss sich selbst lieben, das ist es was zählt. Und das ist es was ich mir selbst auch immer aufs Neue klar machen muss.
    Bitte mach weiter so.
    Liebe Grüße

    • Antworten

      Antonia

      Januar 8, 2018

      Oh wow, wie lieb ist das denn!
      Danke für deine wahninnig lieben Worte, ich habe mich gerade sehr gefreut <3
      Liebe Grüße an dich 🙂

  4. Antworten

    Antonia

    Januar 8, 2018

    Daaanke liebe Anne! 🙂
    Super Einstellung und du hast recht, perfekt wäre schon ziemlich langweilig 😀
    Fühl dich gedrückt 🙂

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