Sag mir wie viel Stress du hast und ich sag dir wer du bist.

 

 

Jänner. Stress.
Eine der härtesten und stressigsten Zeiten ist wieder da und alle rund um mich herum verfallen in unglaublichen Stress. Die meisten stecken in der Prüfungsphase und eigentlich ist das ganze auch kein Wunder, dass jeder verplant ist und keine Zeit für irgendetwas anderes als das Lernen findet.

Ich selber würde sagen dass ich nicht wirklich mit Stress umgehen kann. Ich arbeite seit Dezember auch noch 20 Stunden pro Woche in einer Agentur und sollte nebenbei auch noch fünf Prüfungen und eine Bachelorarbeit schreiben. Anwesenheit auf der Uni ist auch Pflicht, Blogbeiträge und Instagramfotos, gesundes Essen und Besuche im Fitnessstudio sollten da auch noch irgendwie Platz finden. Und achja .. Schlaf? Was ist das?

Ich hatte schon im Dezember ziemlich Angst vor Januar weil ich wusste dass es alles andere als leicht wird. Vor allem finde ich einfach keine Motivation, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme und eigentlich noch lernen sollte. Mich hat das Ganze so gestresst, dass ich oft einfach mal drauf los heulen musste, um den Druck abzulassen und mich wieder aufzuraffen.
Irgendwann war ich dann so weit dass ich mich von einer schwierigen Prüfung wieder abgemeldet habe, weil ich wusste dass ich die sowieso nicht schaffen würde und war natürlich alles andere als stolz darauf.
Generell habe ich das Gefühl dass bei meinem Studium relativ wenig weitergeht und das stresst mich wahnsinnig.
Ich sollte laut Studienplan und Mindeststudienzeit eigentlich schon im Juni fertig sein. Die meisten die ich kenne und mit denen ich zu studieren begonnen habe, werden auch fertig. Und ich schwimme irgendwo, zwei Semester hinten.
Auch auf Social Media werde ich tagtäglich mit so etwas konfrontiert.
Ich habe zwar das Gefühl eh schon alles zu geben aber es gibt immer jemanden der mich übertrumpft und mir indirekt ein schlechtes Gewissen macht. 40 ECTS in einem Semester? EASY! Nebenbei auch noch genug Content produzieren, jeden Tag fünf Stunden Sport, gesunde Ernährung und reichlich Schlaf. Immer wenn ich solche Leute sehe zieht sich mein Magen zusammen.
Ich schaffe dieses Semester nicht mal 30 ECTS, das Fitnessstudio hat mich heuer auch noch nicht gesehen und Ernährung? .. Reden wir nicht darüber!

So sehr ich Instagram liebe, hier wird’s gefährlich. Man vergleicht sich viel zu viel mit anderen (ist nicht nur in der Prüfungszeit so) und hat im Nachhinein ein schlechtes Gewissen.

Jeder postet wie viel er nicht schon geschafft hat und wie super es läuft und ich? Ich hinke hinten nach, muss versuchen nicht schon wieder in Tränen auszubrechen, da ich das Gefühl habe nicht alles zu geben aber wenn ich genug Schlaf haben will und 100% in der Arbeit gebe, dann geht das nun mal nicht anders.
Am Anfang habe ich noch versucht alles unter einen Hut zu bekommen aber manchmal muss man einfach Abstriche machen. Ich habe mir den Druck genommen und mich von dieser einen Prüfung abgemeldet und bei den anderen stürze ich mich jetzt nicht mehr in irgendwelche Nachtschichten sondern „probiere es halt einfach mal“ und dann sehe ich weiter.

Ich hab viel Stress – ich bin jemand!

Ich bewundere die Leute wirklich, die alles perfekt unter einen Hut bekommen. Ich gehöre leider nicht dazu und habe mich bis vor kurzem noch ziemlich schlecht dafür gefühlt. Aber ganz ehrlich – geht’s denn um das?
Geht es im Leben darum, so viel Stress zu haben und immer 138401% zu geben? Wird man nur angesehen wenn man dauernd im Stress ist, von Prüfung zu Prüfung, von Termin zu Termin eilt?
Pause? So etwas gibt es nicht.
So bald man die Füße hochlegt muss man ein schlechtes Gewissen bekommen – weil’s ja Leute gibt die das nicht machen.

Sicher ist es toll wenn man das alles schafft aber es ist auch okay, zuzugeben es nicht zu schaffen.
Ich liege nicht auf der faulen Haut und schaue den ganzen Tag Serien – trotzdem schaffe ich nicht alles.

Der Jänner war bis jetzt wirklich sehr chaotisch – vor allem auch emotional. Weil ich einerseits bei anderen gesehen habe, wie viel sie schaffen, wie sportlich sie sind, wie oft sie lernen usw. und andererseits: weil ich mir dadurch selber wahnsinnig viel Stress gemacht habe. Doch damit ist jetzt Schluss.

Die eine Prüfung mehr oder weniger ist doch egal.
Auch wenn ich nicht alles schaffe was ich mir vorgenommen habe und nicht so viel Prüfungen schreibe wie jemand anderer bin ich doch nicht weniger wert.

Stress haben ist nicht cool! Stress haben macht dich nicht attraktiv! Nur weil du Stress hast, bist du nicht besser als die anderen.
Ich finde es gut, wenn man sich selber eingestehen kann, dass man nicht alles schafft was man gerne möchte. Bevor man selber daran kaputt geht (physisch und psychisch) sollte man sich einfach mal bremsen und auf die Dinge stolz sein, die man geschafft hat.

Dann gilt nicht:
Ich arbeite nur 20 Stunden, schreibe nur drei Prüfungen, komme nicht zum lernen, ernähre mich ungesund, treibe keinen Sport und schaffe es nur, einen Beitrag pro Woche zu schreiben.

Sondern:
Ich arbeite 20 Stunden pro Woche, gebe dort 110%, schreibe drei Prüfungen, lerne so viel ich kann, schaue so gut es geht auf meine Ernährung und es ist auch okay, keinen Sport zu treiben.

In solchen Zeiten ist es erstens wichtig, die positiven Dinge zu sehen, all die Sachen die man schon erreicht hat (nicht die, die man nicht schafft) und zweitens ist es viel wichtiger auf sich und seinen Körper zu schauen. Nur weil jemand anderer die Dinge alle schafft und noch 30 weitere Sachen erledigt, heißt das nicht dass du das auch musst!
Mach das, was du kannst, versuche alles zu geben aber geh‘ nicht daran kaputt.
Was hat das denn sonst für einen Sinn? Zwei Prüfungen mehr zu schreiben aber dafür im Nachhinein ein psychisches Wrack mit 58220 Stunden Schlafdefizit zu sein?

In ein paar Monaten wird das alles keinen Unterschied machen. Da wirst du nicht an die Prüfungen denken, von denen du dich wieder abgemeldet hast oder die du nicht geschafft hast, du wirst nicht daran denken wie wenig Sport du nebenbei getrieben hast und wie viel Blödsinn du eigentlich gegessen hast.

Hauptsache es geht dir gut.

Wenn du jeden Tag heulen musst dann tu das – lass alles raus – wenn du so besser mit Stress umgehen kannst aber denk drüber nach: Ist das wirklich das Richtige? Nur weil Leute auf Social Media mich stressen und beeinflussen und mir ihr Leben so fleißig präsentieren, muss ich nicht genau so sein.
Wenn du eine Pause brauchst dann nimm sie dir auch! Schalte dein Hirn aus, deine Lieblingsserie ein und schmeiß dich mit einer Tafel Schokolade für den Fernseher. Du bist kein schlechter Student oder Mensch wenn du eine Pause nimmst. Wenn man vor allem auch mal zugeben kann, eine Pause zu brauchen ist das ziemlich stark!

Hauptsache es geht dir gut.

Hauptsache es geht mir gut.

Zum Abschluss hab ich noch ein Zitat von meiner lieben Freundin Emina (@realtalkwithemina) für euch:

„These last few weeks before the semester ends are probably stressful to everyone (no matter what their studies are). I see a lot of people being stressed out and I get it, I really do. But a little reminder that even though we wanna do our best at these exams, it’s really important to take care of ourselves. Try to get enough sleep, eat, drink water and take everything one step at a time. Self care is so important in times like these and it’s okay to take a break. You are not being „lazy“ or a „bad student“. 
Yes, good results are awesome but they won’t matter when you destroy your mental and physical health in the process. Take a break, breathe and slay!“

 

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